Richtig verhandelt: Vertrag und Übergabe

Wichtige Kernpunkte im Kaufvertrag
Mit Kaufvertrag und Übergabe des Unternehmens beginnt sie: Ihre Selbstständigkeit! Damit Sie unter Idealbedingungen starten, sollten Sie diesen Themen besonderes Augenmerk widmen. Fachkundige Beratung ist unverzichtbar! Und weil auch der Vollzug des Kaufes nur einen Schritt auf dem Weg zur Ablösung vom vorherigen Besitzer darstellt, sollten Sie auch die Übergabe detailliert und langfristig planen.

Die Stunde der Wahrheit: der Kaufvertrag

Entscheidend für die Ausgestaltung des Kaufvertrags sind die Rechtsform des Unternehmens sowie die steuerlichen und rechtlichen Ziele. Diese Dinge müssen Sie im Vorfeld unbedingt abklären, am besten mit Hilfe von Fachrechtsanwälten und Steuerberatern. Sie wissen, worauf es ankommt und können Sie zu den umfassenden inhaltlichen und formellen Auskleidungsmöglichkeiten eines Kaufvertrages beraten. So muss z. B. rechtlich geklärt sein, unter welchen Bedingungen der Käufer das Unternehmen erwirbt, inwieweit Käufer und Verkäufer abgesichert sind und eine Vielzahl weiterer juristischer Details.
Indem Sie sich mit den Punkten der folgenden Checkliste auseinandersetzen, gewinnen Sie einen Eindruck über die Komplexität eines Kaufvertrags:

  • Ist das Kaufobjekt detailliert beschrieben?
  • Sind Übergabe-Datum, Kaufpreis und Fälligkeit der Zahlung festgelegt?
  • Enthält der Vertrag eine vollständige Inventarliste?
  • Sind alle Forderungen und Verbindlichkeiten am Übergabetag angegeben?
  • Wurden die Mitarbeiter über den Eigentümerwechsel und alle Konsequenzen informiert?
  • Liegen alle erforderlichen Unbedenklichkeits-Bescheinigungen des Finanzamts vor?
  • Liegt die Bestätigung der Sozialversicherung über die Zahlung aller Beiträge vor?
  • Liegen alle vertraglichen Bindungen des Unternehmens vor?
  • Haftet der Verkäufer für verdeckte Altlasten?
  • Ist bestätigt, dass keine gerichtlichen oder außergerichtlichen Streitigkeiten bestehen?
  • Ist geklärt, unter welchen Bedingungen der Käufer vom Vertrag zurücktreten kann?

Eine notarielle Beurkundung ist bei der Übernahme eines Einzelunternehmens nicht vorgeschrieben, sie ist jedoch empfehlenswert. Gehört ein Grundstück zum veräußerten Unternehmen, ist eine notarielle Beurkundung unumgänglich.

Da sich die Übernahme eines Unternehmens meist über einen längeren Zeitraum hinzieht, empfiehlt sich unter Umständen der Abschluss eines Vorvertrags. Er dokumentiert die Ernsthaftigkeit des Übernahme-Interesses und steckt bereits die Rahmenbedingungen der Übergabe ab. Damit gibt er Käufer und Verkäufer zusätzliche Sicherheit.

Endlich Unternehmer: die Übergabe

Während der Eigentumsübergang ein punktuelles Ereignis ist, stellt die Übergabe des Unternehmens einen Prozess dar. Im Idealfall sorgen alter und neuer Eigentümer gemeinsam dafür, dass die Geschäfte reibungslos auf den neuen Inhaber übertragen werden. Dazu zählt auch die Einbindung der Mitarbeiter: Sprechen Sie die Übergabe offen an und räumen Sie eventuell vorherrschende Befürchtungen offensiv aus. Führen Sie persönliche Gespräche, in denen Sie Vertrauen und Motivation schaffen.

Dass es zwischen neuem und altem Inhaber zu Konflikten kommen kann, liegt in der Natur der Sache. Deshalb sollten Sie nach Möglichkeit detailliert absprechen, wie Sie sich die gemeinsame Arbeit und den zwischenmenschlichen Umgang miteinander vorstellen. Bedenken Sie, dass es beispielsweise problematisch werden kann, wenn Sie als Angestellter den Betrieb Ihres Chefs übernehmen – und dadurch von einem Tag auf den anderen gleichberechtigter Partner werden, der womöglich auch widersprechen muss.

Abzuraten ist von der Variante, dem ehemaligen Eigentümer einen langfristig angelegten Beratervertrag einzuräumen, an den Sie auf Dauer gebunden sind. Es sollte für Sie als neuer Inhaber jederzeit möglich sein, solch einen Vertrag unbürokratisch zu lösen. Sinnvoll kann die Hilfe des Alteigentümers hingegen bei der Abwicklung zeitlich überschaubarer Projekte sein.

Treten trotz aller Absprachen in der Übergangsphase Meinungsverschiedenheiten auf, sollten diese in einer sachlichen Atmosphäre ausgetragen werden. Das gelingt nicht immer ohne fremde Hilfe. Bevor Sie das Unternehmen mit ihrem Konflikt beeinträchtigen, sollten Sie einen professionellen Coaching-Berater oder einen Mediator einschalten.
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